porcupine 28. Februar 2011
Viele Verbraucher in Deutschland achten heute bei sich und bei ihren Kindern auf gesunde Ernährung. Sie kaufen frische Produkte anstatt Fertiggerichte, verwenden viel Obst und Gemüse und greifen bei Fleisch bevorzugt zu fettarmen Schweineschnitzeln, Rindersteaks oder Geflügelwurst. All diese Maßnahmen sind zunächst einmal für den Organismus jedes Einzelnen sinnvoll und tragen dazu bei, gesund, fit und schlank zu bleiben. Wenn es da nicht diese ständig wiederkehrenden Meldungen von immer neu ans Licht kommenden Lebensmittelskandalen gäbe. Zunächst war BSE Anlass dazu, alle Arten von Rindfleischprodukten zu meiden. Als Nächstes standen Schweinepest und Gammelfleischskandal auf dem Programm, so dass der auf gesunde Ernährung bedachte Verbraucher fortan auch noch auf Schweinefleisch verzichten musste. Doch damit nicht genug. Im vergangenen Jahr schlugen Verbraucherschützer wegen der hohen Pestizidbelastung diverser Gemüsesorten aus Supermärkten und Discountern Alarm. Schon jetzt griffen die Menschen in Deutschland verstärkt zu Bioprodukten aus Biofachgeschäften. Schließlich wurde man als Verbraucher dann geradezu dazu gedrängt, auf die kleinen Biomärkte auszuweichen. Das geschah spätestens, als der Skandal um dioxinverseuchte Hühnereier und ebensolches Hühnerfleisch Anfang 2011 die Gemüter in Deutschland erhitzte.
Man fragt sich mittlerweile fast täglich: Wie kann es sein, dass hierzulande immer mehr Lebensmittel verseucht, verdreckt oder einfach schlichtweg ungenießbar sind? Wie kann es zudem sein, dass Tiere gequält, gemästet und in winzigen Ställen zusammengepfercht leben müssen, während von Seiten des Staates unzählige Programme für die gesunde Ernährung und sportliche Aktivität von menschlichen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ins Leben gerufen werden? Was kann der
Verbraucher überhaupt noch guten Gewissens zu sich nehmen, ohne Angst davor haben zu müssen, am Folgetag in der Zeitung zu lesen, dass er es besser sein gelassen hätte? Ist Bio wirklich die einzige, ja überhaupt wirklich eine Alternative? Es hat den Anschein, als wäre dies in absehbarer Zukunft wirklich so. Allerdings muss man auch hier Bio von Bio unterscheiden. Bioartikel, die heute schon in vielen Lebensmitteldiscountern angeboten werden, erfüllen zwar grundsätzlich die strengen Richtlinien, die für sämtliche Produkte aus Bioanbau in Deutschland gelten. Dass sie trotzdem oftmals günstiger sind als Produkte aus Bioläden hat einen anderen Grund. Sie stammen in der Regel nicht von deutschen Produzenten, sondern werden im Ausland zu gleichen Bedingungen, jedoch häufig für die dort ansässigen Produzenten zu geringeren Konditionen angebaut. Diese Kostenersparnis wirkt sich unmittelbar auf die Preise im Supermarkt aus. Ob es allerdings im Sinne der Erfinder des Ökolandbaus ist, dass Bioprodukte dann von weit her mit hohem Spritverbrauch
durch Europa gekarrt werden, sei dahingestellt.
Die beste Methode, um allen Nahrungsmittelskandalen und Preisschlachten aus dem Weg zu gehen, ist immer noch der Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten sowie die Haltung von eigens gezüchteten Tieren wie Geflügel und Kaninchen auf heimischem Gelände. So lange man auf dem Lande wohnt, kann dies der eine oder andere vielleicht sogar umsetzen. Wenn man jedoch in der Stadt lebt, bleibt einem heute nichts anderes übrig als beim Einkauf Geschäfte zu konsultieren, denen man sein Vertrauen schenken kann. Dies sind dann zumeist die kleineren Läden, wo man als Kunde noch immer vom Chef persönlich bedient wird. Kauft man bei einem solchen Händler ein, so trägt man seinerseits nicht nur für die eigene gesunde Ernährung besondere Verantwortung, sondern leistet einen Beitrag zum Erhalt der kleinen Geschäfte. Eine Geste, die sich in den heutigen unsicheren Zeiten für beide Seiten nur lohnen kann.
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